{"id":2330,"date":"2022-05-28T16:07:19","date_gmt":"2022-05-28T16:07:19","guid":{"rendered":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/?post_type=exhibition&#038;p=2330"},"modified":"2023-06-21T15:47:28","modified_gmt":"2023-06-21T15:47:28","slug":"balkenbilder","status":"publish","type":"exhibition","link":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/exhibition\/balkenbilder\/","title":{"rendered":"Balkenbilder"},"content":{"rendered":"<p>Durchblick in die Utopie<\/p>\n<p>Robert Lettner wurde im Mai 1943, zwei Jahre vor Kriegsende im s\u00fcdfranz\u00f6sischen Internierungslager Gurs geboren. Seine Mutter, eine K\u00f6lnerin, war wegen ihrer widerst\u00e4ndigen Haltung zu den Nationalsozialisten dort eingesperrt. Sein Vater hatte in Spanien gegen die von Hitler-Deutschland unterst\u00fctzte Milit\u00e4rjunta Francisco Francos gek\u00e4mpft und war schwerkrank \u00fcber die Pyren\u00e4en nach Frankreich entkommen. Der Antifaschismus, der Widerstand gegen alles Autorit\u00e4re, blieb zeitlebens ein bestimmender Faktor im Leben des Robert Lettner.<\/p>\n<p>Im Jahr 1958 begann er in Wien eine Lehre zum Lithographen. Schon als Jugendlicher faszinierte ihn das Geheimnis der Bildwelten. Es gelang ihm 1965 an der Akademie am Schillerplatz aufgenommen zu werden, und bereits vier Jahre sp\u00e4ter wurden seine Bilder in der Galerie n\u00e4chst St. Stephan gezeigt. Er blieb sein ganzes Leben lang ein politischer Mensch. Die selbstgerechte Gewalt der B\u00fcrgerkinder, die sich RAF nannten, verachtete er und decouvrierte sie mit seinen fr\u00fchen Bildern. Er wollte Sch\u00f6nheit zeigen, auch wenn das der Kunstwelt so verwerflich erschien, um den Optimismus als jene Kraft zu wecken, die Widerstand gegen das H\u00e4ssliche, gegen Diktatur und Unfreiheit leistet.<\/p>\n<p>Das Werk von Robert Lettner hat zeit seines Lebens f\u00fcr Irritationen gesorgt. Kaum jemand konnte ihn einordnen, verstand die scheinbare Unterschiedlichkeit seiner Bilder. Wie geht politische Agitation mit abstrakter Malerei zusammen, wieso malt er Landschaft und Blumen, was haben Ornamente mit Photosynthese zu tun? F\u00fcr Robert Lettner war die Diskussion um diese angebliche Disparit\u00e4t nicht nachvollziehbar. Seine Arbeiten waren allesamt von gro\u00dfer Kunstfertigkeit getragen, erhoben einen hohen \u00e4sthetischen Anspruch. Sie waren immer auch Ergebnis seines intensiven, lebenslangen Forschens an Strukturen, Sequenzen, kompositorischen Strategien wie auch an gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Oft griff er Themen auf, die viel sp\u00e4ter erst Eingang in den Kunstdiskurs fanden. Sein Biograph Harald Kraemer schreibt: \u201eWiderstand bedeutete f\u00fcr R. Lettner eine andauernde intellektuelle Auseinandersetzung, die zu neuen Bildfindungen f\u00fchren und somit eine politische Wirkung haben sollte\u201c.<\/p>\n<p>Besonders in seinen Balkenbildern flie\u00dfen viele Elemente der Lettnerschen Kunst zusammen. Beginnend von 1968 mit Unterbrechungen bis 2003 hat er sich mit dem Grundmotiv des Balkenbilds auseinandergesetzt. Die klaren Strukturen dieser Serie waren Basis f\u00fcr sp\u00e4tere Arbeiten, wie seine Blumen- und Landschaftsbilder, die Farbpartituren oder die Synthetischen Bildwelten. Lettner sprach oft von den Geheimnissen der Malerei, denen er auf der Spur war. Da ist der Blick in unergr\u00fcndliche Tiefen, in die Unendlichkeit, der immer mit dem Gef\u00fchl der Sehnsucht verbunden ist. Es ist die Utopie, die sich in einem schmalen Durchbruch erahnen l\u00e4sst. Der Weg aus der realen Welt in eine andere ebenso reale, noch nicht erk\u00e4mpfte Welt.<\/p>\n<p>Das Unergr\u00fcndliche in der Malerei begleitete Lettner seit seinen fr\u00fchen Jahren, als er zum Broterwerb Freskenmalereien in Kirchen restaurierte. Wie er Grenzen im Politischen sprengen wollte, so auch in der Begrenztheit des zweidimensionalen Bildes. Der wei\u00dfe Balken, umrandet von einem aus dem Wei\u00df hervorkommenden, irisierenden Blau und Rot verwandelt die Fl\u00e4che in eine dreidimensionale Figur. Die Balken treten hervor, die Balken und Durchbr\u00fcche schaffen zugleich einen Sichtkanal in eine gesellschaftliche Utopie, in die uns Robert Lettner zeitlebens einladen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Peter Menasse<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":2390,"template":"","categories":[17],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition\/2330"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition"}],"about":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/exhibition"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}