{"id":3129,"date":"2023-03-14T16:00:13","date_gmt":"2023-03-14T16:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/exhibition\/popid\/"},"modified":"2023-05-08T10:36:20","modified_gmt":"2023-05-08T10:36:20","slug":"popid","status":"publish","type":"exhibition","link":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/exhibition\/popid\/","title":{"rendered":"POPiD"},"content":{"rendered":"<p>In ihrer ersten Galerie-Solopr\u00e4sentation seit acht Jahren zeigt Maja Vukoje neue Werke, die thematisch an einige der aus ihrer Einzelausstellung im Wiener Belvedere 21 (Dezember 2020\u2013August 2021) bekannten Werkgruppen ankn\u00fcpfen, diese variieren und weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Gemeinsam ist den Arbeiten das Material der ungrundierten, industriell gefertigten Jute, die sie als Tr\u00e4ger ihrer motivisch und formal reduzierten Kompositionen verwendet. Auf der Ebene der Maltechnik erm\u00f6glicht die Grobheit des Gewebes der Malerin einerseits, die Farbe von hinten durch die aufgespannte Jute hindurch zu dr\u00fccken, was zu der unverwechselbaren Plastizit\u00e4t der Bilder beitr\u00e4gt. Andererseits lassen die unbearbeiteten Fl\u00e4chen den Pr\u00e4sentationsapparat in Form des Keilrahmens und der dahinterliegenden Wand durchscheinen. So wird auch der reale Raum hinter der Bildfl\u00e4che Teil des Bildraums. Nicht zuletzt verweist der Bildtr\u00e4ger Jutesack auch auf den Warencharakter des Bildes selbst, sowie auf die Ausbeutungsbeziehungen im globalen Handel, wie Isabelle Graw im Gespr\u00e4ch mit der K\u00fcnstlerin treffend bemerkt.<sup>1<\/sup><\/p>\n<p>Auch bei den Motiven handelt es sich f\u00fcr Vukoje um eine inhaltlich aufgeladene \u201eWare der besonderen Art\u201c<sup>2<\/sup>: Mit Gem\u00e4lden wie another Avocado (2023) oder Babymelanzani (2023) entwickelt die K\u00fcnstlerin eine Serie weiter, in der sie exotische Fr\u00fcchte auf eine Weise abbildet, die in gleichem Ma\u00dfe Assoziationen mit Pop Art, klassischer Portr\u00e4tmalerei und Stillleben ausl\u00f6st. Die Kulturgeschichte dieser im globalen Handel \u00fcber lange Transportwege dem Konsum des reichen Nordens zugef\u00fchrten Produkte reicht weit in die Kolonialzeit hinein und verbindet sich etwa in den niederl\u00e4ndischen Stillleben des 17. Jahrhunderts mit der Geschichte der Malerei.<\/p>\n<p>In \u00e4hnlicher Weise verweist die in McPop (2023) abgebildete Mohnblume auf ihre traurige Rolle in kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart. Ihr Abbild ist mittels einer subtraktiven Technik durch Bleichen von industriell eingef\u00e4rbter Jute hergestellt. Aus unterschiedlichen Intensit\u00e4ten des Einsatzes des chemischen Bleichmittels ergeben sich Tonalit\u00e4ten des unter der schwarzen Einf\u00e4rbung liegenden Gr\u00fcns. Durch die Verz\u00f6gerung in der Wirkung kommt der Zufall als Element der Gestaltung hinein und macht Bildtr\u00e4ger und Prozess im Sinne einer \u201eperformativen Materialit\u00e4t\u201c (Luisa Ziaja) zus\u00e4tzlich sichtbar.<sup>3<\/sup><\/p>\n<p>Den Namen \u201eAlbers\u201c in ihren Titeln tragend, stellen die Werke einer weiteren Serie, auf den ersten Blick ersichtlich, eine Hommage an eine Hommage dar. Josef Albers\u2019 Homage to the Square (ab 1950) z\u00e4hlt zu den einflussreichsten Werkserien der abstrakten Malerei des 20. Jahrhunderts. Maja Vukojes Version erweitert die ber\u00fchmte Studie des Zusammenwirkens von Farbfl\u00e4chen durch die Wahl der Materialien mit einem Schlag um mehrere Dimensionen. So erzeugt sie die ineinandergef\u00fcgten Fl\u00e4chen durch das Auftragen von verschiedenen Arten von Zucker, Kakao, Kaffee oder anderen Waren, die in ebensolchen Jutes\u00e4cken global gehandelt werden wie jenem, der jeweils als Bildtr\u00e4ger fungiert. Auf diese Weise \u201eschleudert\u201c sie, wie Luisa Ziaja es formuliert, Albers\u2019 Hommage entgegen dem Autonomieanspruch des abstrakten Bildes der europ\u00e4isch-nordamerikanischen Nachkriegsmalerei \u201emitten hinein in multiple geografische, materielle, soziale und \u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge\u201c.<sup>4<\/sup><\/p>\n<p>Trotz der zweifellos auch stattfindenden \u201epostkolonialen Dekonstruktion der Pop-Art\u201c, die Chris Sharp den Bildern von Maja Vukoje attestiert, w\u00e4re der Schluss voreilig, es ginge der K\u00fcnstlerin lediglich darum, die Malerei als Sprungbrett f\u00fcr postkoloniale Kritik zu verwenden. Denn, wie Sharp ebenfalls bemerkt, untersucht Vukoje in ihrer Praxis das Wesen der Malerei selbst. Kein sprachliches oder materielles Element ist hier selbstverst\u00e4ndlich und ohne spezifische Zielsetzung verwendet, von der transluziden Jute, die den Spannrahmen durchscheinen l\u00e4sst bis zum Aufdruck auf den Jutes\u00e4cken, die zum bedeutungserweiternden Bildelement werden. \u201eAll dies weist nachhaltig darauf hin, dass es sich hierbei um ein in sich abgestimmtes Werk ohne Trennung oder gar Kluft zwischen Form und Inhalt handelt. Das Politische an Vukojes k\u00fcnstlerischer Praxis ist untrennbar mit den von ihr bearbeiteten und kontextualisierten Materialien und formalen Fragestellungen verbunden.\u201c<sup>5<\/sup><\/p>\n<p>In ihrer Kunst verkn\u00fcpft Maja Vukoje Untersuchungen der medialen Bedingungen der Malerei mit einer Kritik an \u00f6konomischen und kulturellen Produktions- und Distributionssystemen einer globalisierten Welt. Parallel dazu \u00f6ffnet sie in ihren Gem\u00e4lden die internen Grenzen des Mediums. Material, Technik, Motiv und Thema kippen, flie\u00dfen ineinander, informieren sich gegenseitig. Indem sie entlang der Zielsetzungen einer Kritik an postkolonialen Machtverh\u00e4ltnissen auch medial konsequent in den \u00dcbergangszonen arbeitet, treibt Maja Vukoje die Entwicklung der Malerei als Dispositiv kritischer Kulturproduktion voran.<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> Isabelle Graw &amp; Maja Vukoje, \u201eTranskulturelle Entzugsstrategien auf Jutesack. Ein Zoom Gespr\u00e4ch\u201c, in: Stella Rollig\/Luisa Ziaja (Hg.), Maja Vukoje, Auf Kante (Katalog Ausstellung, Belvedere 21, Wien 2020-2021), S. 160.<\/p>\n<p><sup>2<\/sup> Ebd., S. 160.<\/p>\n<p><sup>3<\/sup> Luisa Ziaja, \u201eMalerische Illusionen und Gesten ihrer \u00dcberschreitung\u201c, in: Stella Rollig\/Luisa Ziaja (Hg.), Maja Vukoje, Auf Kante (Katalog Ausstellung, Belvedere 21, Wien 2020-2021), S. 153.<\/p>\n<p><sup>4<\/sup> Ebd. S. 153.<\/p>\n<p><sup>5<\/sup> Chris Sharp, Maja Vukojes semi-autonome Bilder, in: Sandro Droschl (Hg.), MAJA VUKOJE_fuels n\u2019 frumps. Verlag f\u00fcr moderne Kunst Wien, Wien 2017, S. 32\u201335.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":3127,"template":"","categories":[17],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition\/3129"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition"}],"about":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/exhibition"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}