{"id":3375,"date":"2023-05-25T11:31:36","date_gmt":"2023-05-25T11:31:36","guid":{"rendered":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/exhibition\/3374\/"},"modified":"2023-06-27T08:04:28","modified_gmt":"2023-06-27T08:04:28","slug":"3374","status":"publish","type":"exhibition","link":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/exhibition\/3374\/","title":{"rendered":"\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0A\u00a0\u00a0EL"},"content":{"rendered":"<p><em>Toeing Abstraction<br \/>\n<\/em>Alaina Claire Feldman<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Und als sie sich n\u00e4herten, entdeckten sie in einem Winkel des Bildes die Spitze eines nackten Fu\u00dfes, die aus diesem Chaos von Farben, T\u00f6nen, unbestimmten Nuancen, diesem formlosen Nebel hervor sah: einen wunderbaren, einen lebendigen Fu\u00df! Sie standen vor Staunen versteinert vor diesem Fragment, das einer unglaublichen langsamen und fortschreitenden Vernichtung entgangen war. Der Fu\u00df glich dem Torso irgendeiner Venus aus parischem Marmor, der sich mitten aus den Tr\u00fcmmern einer einge\u00e4scherten Stadt erhebt. <\/em><\/p>\n<p>Als Poussin und Porbus das letzte Gem\u00e4lde des alten Meisters Frenhofer betrachteten, stach ihnen ein St\u00fcck Vertrautheit ins Auge. Es war die sich abzeichnende Form von Gilettes Fu\u00df, ihrer fleischigen Zehen, in der sie zum ersten Mal einen Hauch von Frenhofers Ruf als Genie erkannten. Aber alles andere war ein Durcheinander und mit ihren Vorstellungen von Malerei nicht zu vereinbaren. In Balzacs <em>Das unbekannte Meisterwerk<\/em> widmet Frenhofer Jahre seines Lebens der Arbeit an einem Gem\u00e4lde, das die &#8222;Essenz&#8220; einer jungen Frau einzufangen versucht. Als er das Gem\u00e4lde, ein abstraktes Bild mit farbenfrohen, k\u00fchnen Strichen, schlie\u00dflich mit anderen teilt, sind die beiden j\u00fcngeren Maler ratlos und begreifen das Werk nicht.<\/p>\n<p><em>&#8222;Kommt n\u00e4her, da werdet ihr diese Arbeit sehen. Aus der Ferne verschwindet sie. Seht! Da ist sie deutlich zu erkennen, glaube ich.&#8220; U<\/em><em>nd er zeigte mit dem Pinselstiel auf einen hellen Farbenklecks.<\/em><\/p>\n<p>H\u00e4tten sich Poussin und Porbus darauf eingelassen, von Frenhofers Malerei zu lernen, anstatt sie zu verwerfen (was ihn dazu veranlasste, sein gesamtes Werk und schlie\u00dflich sein Leben zu zerst\u00f6ren), h\u00e4tte daraus eine radikale Generation von Malern hervorgehen k\u00f6nnen, die eine niemals zuvor vorgestellte, eine nie gesehene Welt artikuliert h\u00e4tte. Frenhofers Malerei ist letztlich ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die F\u00e4higkeit der Kunst, das Unaussprechliche auszudr\u00fccken, und beschw\u00f6rt eine Moderne herauf, die erst Jahrhunderte sp\u00e4ter in Erscheinung treten sollte, aber das konnten sie nicht sehen. Frenhofers Genie war eine romantische und hermetische Idee. Sein Genie konnte den j\u00fcngeren Malern nicht beigebracht werden.<\/p>\n<p><em>&#8222;Es ist nicht die Aufgabe der Kunst, die Natur zu kopieren, sondern sie auszudr\u00fccken!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Er malte Gillette. Es war eine traditionelle patriarchalische Geste der vermeintlichen Sch\u00f6nheit einer Frau, die nur ein heroisches m\u00e4nnliches Genie in Kunst verwandeln konnte. Fast zehn Jahre lang arbeitete er im Geheimen an dem Gem\u00e4lde, es wird von einem ungesehenen zu einem nicht ansehbaren Werk: ein gescheitertes, nicht erkennbares, verpfuschtes wirbelndes Chaos. Das Einzige, was den beiden j\u00fcngeren K\u00fcnstlern unmissverst\u00e4ndlich klar sein kann, ist Gillettes Zeh. Roland Barthes nannte es im Rahmen der Fotografie das <em>punctum<\/em>. Jenes <em>je ne sais quoi<\/em>, das unsere Aufmerksamkeit inmitten all der anderen Dinge, die sich innerhalb der Bildfl\u00e4che abspielen, auf sich zieht. Georges Bataille sagte, dass, w\u00e4hrend unser Kopf sich zum Himmel emporhebt, <em>le Gros Orteil<\/em> (der gro\u00dfe Zeh) im Schlamm feststeckt \u2013 und dennoch ein &#8222;exzessiver Punkt der Devianz&#8220; ist. Der Zeh von Gillette ist ein Geheimnis, das durch seine N\u00e4he zur Abstraktion ins Dasein gerufen wird. Genau wie das Gem\u00e4lde war der Zeh (in einem Stiefel) eingeschlossen, bis seine Abscheulichkeit \u00f6ffentlich wird. Fatale Schande \u00fcberkommt Frenhofer, als sein geheimer Fetisch f\u00fcr die Abstraktion zum Vorschein kommt.<\/p>\n<p>Ich verbringe viel Zeit damit, in abstrakten Gem\u00e4lden nach Hinweisen zu suchen, in der Hoffnung, dass irgendein visueller Schl\u00fcssel die magische Gem\u00fctserregung er\u00f6ffnet, die Kunstwerke erwecken. Es ist vielleicht weniger relevant zu beschreiben, was mich pers\u00f6nlich fasziniert, sondern vielmehr, dass ich mich f\u00fcr die Suche nach einer Art externer Bedeutung oder sozialer Best\u00e4tigung interessiere, die in der Abstraktion stattfindet. Ich bin mir nicht sicher, ob etwas jemals vollst\u00e4ndig abstrakt oder vollst\u00e4ndig gegenst\u00e4ndlich sein kann, aber zumindest wei\u00df ich, dass die subjektiven Lesarten eines Kunstwerks unterschiedlich hergestellt werden. Andere, die dasselbe Werk wahrnehmen, bringen unterschiedliche Vokabulare, Kanons, Geschichten und Fetische mit. Wir greifen darauf zur\u00fcck, nach einem Fragment von Vertrautheit zu suchen, nach etwas, das wir erfassen und sicher wiedererkennen k\u00f6nnen. Wir stellen Vergleiche an und versehen unsere Lekt\u00fcre mit pers\u00f6nlichen Interpretationen. Und wir reduzieren das, was wir wahrnehmen, indem wir unsere Kartei anderer K\u00fcnstler oder Werke, die wir bereits gesehen haben, hervorzaubern.<\/p>\n<p>Obwohl er fiktiv ist, wird Frenhofer lebendig durch seine Wirkung auf Werke anderer K\u00fcnstler (Pablo Picasso, Paul C\u00e9zanne, Rainer Maria Rilke, in j\u00fcngerer Zeit Anselm Kiefer, Kerstin Br\u00e4tsch, Anna Ostoya&#8230;). Dennoch stellt Balzac Frenhofers Tod als einen brutalen Tod durch Identit\u00e4tsverlust dar, als ob wir an einem Mangel an Assimilation unter unseresgleichen sterben w\u00fcrden. Ich frage mich, was passiert w\u00e4re, wenn Frenhofer das Werk nicht zerst\u00f6rt h\u00e4tte, sondern sich mit der n\u00e4chsten Generation zusammengesetzt und das einsame Streben nach Abstraktion aufgegeben h\u00e4tte. Stattdessen eine Abstraktion f\u00fcr alle, die das Unaussprechliche \u00f6ffnet, um eine prismatische Bedeutung zu erm\u00f6glichen, mit erhabenem befreiendem Potenzial.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":3404,"template":"","categories":[17],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition\/3375"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition"}],"about":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/exhibition"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3404"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3375"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3375"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}