{"id":4341,"date":"2024-04-26T09:23:08","date_gmt":"2024-04-26T09:23:08","guid":{"rendered":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/exhibition\/for-you-kneedeepinthehoopla\/"},"modified":"2024-05-03T13:42:17","modified_gmt":"2024-05-03T13:42:17","slug":"for-you-kneedeepinthehoopla","status":"publish","type":"exhibition","link":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/exhibition\/for-you-kneedeepinthehoopla\/","title":{"rendered":"For You \u2013 !kneedeepinthehoopla"},"content":{"rendered":"<p>Die Galerie Wonnerth Dejaco freut sich,<em> FOR YOU<\/em>, die zweite Einzelausstellung von Daniel Ferstl (*Linz, 1982), zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Vor weniger als zwanzig Jahren w\u00e4hlte das Times-Magazin YOU zur Person des Jahres. Das ber\u00fchmte Cover war all jenen gewidmet, die mit ihren anonymen und einsamen Inhalten ein zunehmend gefr\u00e4\u00dfiges World Wide Web f\u00fctterten. Wir bewegten uns auf das tyrannische Ego zu, wie Eric Sadin die gegenw\u00e4rtige \u00c4ra der sozialen Medien definiert, in der grenzenlose Ausdrucksf\u00e4higkeit und Selbst\u00fcberh\u00f6hung andauernd unmittelbares Feedback ben\u00f6tigen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Als atomisierte Wesen, die nicht einmal in der Lage sind, sich ein gemeinsames Projekt vorzustellen, n\u00e4hren wir einen endlosen Allmachtswahn, um unsere mehr oder weniger gro\u00dfe Bedeutungslosigkeit zu verbergen. Wir reiten auf einem Meteoriten, der mit gro\u00dfer Geschwindigkeit herabst\u00fcrzt. Angesichts dieses Abgrunds, einer Art kollektiver Psychose, in der jedes einzelne Ich darum wetteifert, den anderen sein fiktives und sorgloses Selbst zu zeigen, schl\u00e4gt Daniel Ferstl eine Oase vor, einen Zufluchtsort, an dem wir uns zumindest f\u00fcr ein Weilchen erfrischen k\u00f6nnen, indem wir uns der Sinnlichkeit der Leinw\u00e4nde und Farben hingeben, die uns umh\u00fcllen.<\/p>\n<p>\u201ePassive Progressive&#8220; ist eine Collage aus Textilien, die Ferstl mit malerischem Feingef\u00fchl zusammenstellt. In den Textilien der Hintergr\u00fcnde kann man Bez\u00fcge zu Richters Stil erkennen, aber auch zu Polke, w\u00e4hrend verschiedene, in sauren T\u00f6nen gehaltenen Formen, vielleicht Blumen, wie Monets Seerosen schweben.<\/p>\n<p>Die Arbeiten von Daniel Ferstl sind angenehm oberfl\u00e4chlich. Wir tauchen ein in lysergische Texturen und f\u00fchlen uns seltsam wohl, w\u00e4hrend wir von einem zum n\u00e4chsten gehen und durch die reiche Palette von Stoffen gleiten, die die Polyphonie dieser Ausstellung bereichert. Der K\u00fcnstler n\u00e4ht schematisierte Figuren auf einen sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlten Hintergrund. Er schafft es, das behagliche Gef\u00fchl zu erwecken, textile Oberfl\u00e4chen mit der Hand zu ber\u00fchren, wie zu Hause auf dem Sofa oder in einer Boutique (eher im Westwood-Stil als im Valentino-Stil), wo wir gerne den Nachmittag verbringen w\u00fcrden, um zu trinken und zu scherzen.<\/p>\n<p>In seinen Gem\u00e4lden gibt es keine Malerei, es sind raffinierte, beinahe erz\u00e4hlerische, oft ikonische Kompositionen. Oberfl\u00e4chen, dazu geschaffen, um \u00fcber sie mit einem taktilen Blick zu schweifen. \u00dcber die niedlichen kleinen Hunde, die hier und da auftauchen und sofortige Z\u00e4rtlichkeit hervorrufen (es stimmt, sie funktionieren ein bisschen wie Katzen und andere Haustiere in den sozialen Medien&#8230;). Aber vor allem f\u00fcr die Patchworks aus herrlichen Stoffen, die Daniel Ferstl vorschl\u00e4gt, manchmal gepolstert, manchmal in Bewegung, sehr ansprechend aus der N\u00e4he zu betrachten, bis man sie anfassen kann, vielleicht um sie zu tragen oder sich auf sie zu legen und sie zu umarmen. Ich habe den Eindruck, dass der K\u00fcnstler sich um den Betrachter k\u00fcmmern will; ja, sogar um Sie. Der Titel der Ausstellung scheint dies anzudeuten. Aber k\u00f6nnen wir ihm vertrauen? Nicht zu sehr, nur ein kleines bisschen. Schlie\u00dflich ist eine Oase nur ein kurzes Intermezzo inmitten der W\u00fcste. Wir k\u00f6nnen nicht auf dem Sofa einer Boutique leben. Zu viel \u00c4sthetik kann uns im wahrsten Sinne des Wortes auffressen, wie es bei <em>Posh Doggo Skeleton<\/em> der Fall ist. Aber das ist nicht wahr! Alles ist f\u00fcr Dich, es ist nur f\u00fcr Dich gemacht!!! Wir warten gem\u00fctlich auf Dich. \u201eThe World is Yours\u201c lesen wir am Ende von \u201eScarface\u201c, wenn alle in einem Meer von Blut sterben, in dem der Traum des Protagonisten vom Ruhm, reichlich narkotisiert, versinkt, der in seinem Gr\u00f6\u00dfenwahn der Beste war und den Thron erreicht hatte&#8230; In Brian de Palmas Film, gedreht in Miami, erinnert die Kleidung mit ihren grellen Stoffen vage an die Stoffe, die Daniel Ferstl in seinen ausgiebigen Recherchen bei Textil M\u00fcller geduldig ausgew\u00e4hlt hat, beeinflusst gleichzeitig von Bollywood-B-Movies wie auch einem Prince of Wales. Was Du eingespeist hast, Tag f\u00fcr Tag, kehrt in Form von \u00dcberwachung zur\u00fcck, aber keine Sorge, der Algorithmus sorgt daf\u00fcr, dass es Dir passen wird. Das au\u00dfergew\u00f6hnliche Angebot ist f\u00fcr Dich. Nur f\u00fcr Dich.<\/p>\n<p>Der Titel eines anderen Ferstl-Gem\u00e4ldes lautet: \u201cImacramee \/ I want adventure in the great wide somewhere I want it more than I can tell and for once it might be grand to have someone understand I want so much more than they\u2019ve got planned\u201dEin eleganter kleiner Hund bewegt sich zwischen feinen beigen Stoffen auf der Suche nach einem Begleiter, der nur f\u00fcr ihn gemacht ist. Das tyrannische Ich verlangt immer, was es verdient, nicht wahr? Das Unbehagen, das durch die unabl\u00e4ssige \u00dcberwachung verursacht wird, oder die Angst, nicht das verdiente Feedback zu erhalten, ist der Preis, den man f\u00fcr den Exzess der Verbindung und den scheinbar endlosen Kontakt zahlen muss. Es fehlt an selbstlosem und solidarischem Austausch, es fehlt vor allem an der Freude an der Ber\u00fchrung (es sei denn, wir begn\u00fcgen uns damit, mit Daumen und Zeigefinger \u00fcber einen Bildschirm zu streichen, w\u00e4hrend wir von einem Schleier zum anderen gleiten, durch Schichten, die nie enden).<\/p>\n<p>Der niedliche kleine Hund, der aus einem karierten Hemd herauslugt, wird von den allgegenw\u00e4rtigen Marken bedroht; gl\u00e4nzende, verf\u00fchrerische Farben und viel Design in aufregenden Erinnerungen an glitzerndes Shopping. Stanley Cup, Prime Hydration oder Takis (nicht der kinetische K\u00fcnstler) sind eingetragene Marken, Produkte, deren kraftvoller visueller Auftritt den K\u00fcnstler interessiert.<\/p>\n<p>W\u00e4hlen wir Produkte, ohne zu wissen, warum? Tun Fans von Taylor Swift, die das Trikot von Travis Kelce, ihrem Freund und Football-Star, tragen, dies aus Solidarit\u00e4t mit dem Popstar? Oder aus dem Bed\u00fcrfnis heraus, sich voll und ganz mit dem Objekt ihrer Begierde zu identifizieren, aus dem unb\u00e4ndigen Wunsch heraus, am Spektakel teilzunehmen? In einer Welt, in der alles ein Spektakel ist, ist es das Schlimmste, davon ausgeschlossen zu sein.<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben uns zu einer Gesellschaft entwickelt, die auf angewandter Statistik basiert, mittels derer ein Algorithmus sein Programm im Handumdrehen \u00e4ndern kann, damit uns die intelligenten Ger\u00e4te helfen k\u00f6nnen\u201c,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> alles ist f\u00fcr Dich, ja tats\u00e4chlich, nur f\u00fcr Dich.<\/p>\n<p>Wir finden auch eine Reihe von Accessoires, begehrenswerte Objekte aus diesem Universum, das Daniel Ferstl f\u00fcr uns gewebt hat: Taschen und H\u00fcte warten auf die Betrachter*innen. Sie k\u00f6nnen getragen werden und folgen damit dem Rat unseres kleinen Lieblingshundes, der nie ohne seine Uhr das Haus verlassen w\u00fcrde.<br \/>\nFerstls Werke umh\u00fcllen uns und befreien uns ein wenig von der Notwendigkeit des Scheins, indem sie uns vom Schein an die Oberfl\u00e4che bringen, was nicht dasselbe ist.<\/p>\n<p>Endlich k\u00f6nnen wir ber\u00fchren, unseren sorgenvollen Geist ausruhen, unseren K\u00f6rper wiederentdecken, unsere Augen erfreuen, w\u00e4hrend wir die Oberfl\u00e4chen der Stoffe f\u00fchlen. Ein kleiner Motor dreht hypnotisch eine Hand, ein <em>smile<\/em>, eine Blume. Sie wiegen uns f\u00fcr eine Weile in einen Traum, der weniger delirierend ist als der von Scarface, jedoch mit Sicherheit erbaulicher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Francesco Giaveri<\/em> (\u00fcbersetzt aus dem Italienischen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Tancredi Bendicenti, <em>\u201cIo Tiranno\u201d \u00c9ric Sadin<\/em>, Pandora Rivista, <a href=\"https:\/\/www.pandorarivista.it\/articoli\/io-tiranno-di-eric-sadin\/\">https:\/\/www.pandorarivista.it\/articoli\/io-tiranno-di-eric-sadin\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Carolyn Christov-Bakargiev, Hito Steyerl \u2013 They Are Oblivious to the Violence of Their Acts. Windows, Screens and Pictorial Gestures in Troubled Times, https:\/\/www.castellodirivoli.org\/hito-steyerl-carolyn-christov-bakargiev\/<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4340,"template":"","categories":[17],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition\/4341"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition"}],"about":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/exhibition"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wonnerthdejaco.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}